Teil 2 - 100 Jahre Musikverein Bieringen e.V.


Die Gründungsfeier 1925 – Ein großes Ereignis

Die Gründungsfeier des Musikverein Bieringen im Jahr 1925 war mit erheblichem Aufwand verbunden und wurde zu einem besonderen Ereignis. Zahlreiche umliegende Vereine nahmen daran teil und trugen zur feierlichen Atmosphäre bei. Auch die Vereinskasse profitierte von der Veranstaltung. Im Kassenbuch ist unter den Einnahmen im Juni 1925 vermerkt: „Übergabe der Festkasse an den Verein: 700,-“ (Reichsmark). Von diesem Betrag wurden 400 Reichsmark im Darlehenskassenverein angelegt, während 200 Reichsmark für den Kauf zweier Tenorhörner verwendet wurden.

 

Unruhe in der Anfangszeit

Trotz des gelungenen Auftakts kam es bereits acht Monate nach der Gründung zu ersten Unstimmigkeiten. Der erste Vorsitzende, der bei der Gründung noch zur „Zufriedenheit und Einigkeit“ aufgerufen hatte, wurde abgewählt und ein neuer Vorstand eingesetzt. Im Protokoll heißt es dazu: „Es kam zu ernsten Auseinandersetzungen, die dank der Vernünftigkeit der meisten Mitglieder nicht ausarteten.“ Die Einträge im erhaltenen Kassenbuch geben zudem Aufschluss über die musikalischen Aktivitäten des Vereins in den ersten Jahren. Besonders häufig spielte die Kapelle bei folgenden Anlässen:

 

• Hochzeiten in den Gasthäusern „Adler“, „Kaiser“ und „Rössle“ sowie in umliegenden Gemeinden

• Tanzveranstaltungen in den genannten Gasthäusern

• Auftritte bei Festen umliegender Vereine

• Fasnachtsunterhaltungen im Gasthaus „Kaiser“

• Weihnachtsfeiern im Gasthaus „Kaiser“

 

Der Zweite Weltkrieg hinterlässt seine Spuren

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs kam das Vereinsleben nahezu vollständig zum Erliegen. Ab 1939 bleiben die Seiten im Vereinsprotokoll leer – ein stilles Zeugnis der schweren Zeiten, in denen viele Musiker einberufen wurden oder das Vereinsleben schlicht nicht mehr möglich war.

 

Neubeginn nach dem Krieg

Der Krieg forderte zahlreiche Opfer, und auch der Musikverein blieb nicht verschont. Einige Musiker und Förderer waren verstorben, viele aktive Mitglieder befanden sich noch in Kriegsgefangenschaft. Daher dauerte es nach dem Kriegsende weitere drei Jahre, bis eine „Neugründung“ überhaupt möglich wurde. Die Nachkriegszeit stellte den Verein vor neue Herausforderungen. Bieringen lag in der französischen Besatzungszone, wo Versammlungen nur mit Genehmigung der Besatzungsbehörden abgehalten werden durften. Zudem musste der Verein erst wieder Zugriff auf sein Vermögen erhalten, was ohne eine offizielle Neugründung nicht möglich war.

 



Anschreiben um Genehmigung zur Abhaltung einer

Versammlung und zur Gründung eines Musikvereins in

Bieringen, mit Satzung, Anschrift der Antragsteller und

deren Unterschriften. Gerichtet an den Gouverneur der

französischen Besatzungszone, vom 15. Juli 1948

Am 30. Juli 1948 erhielten die Antragsteller die Erlaubnis zur „Neugründung“. Der übersetzte Text lautet:

 

Auf Ihren Antrag vom 15-7-48 hin teile ich Ihnen

mit, dass ich Ihnen erlaube, eine Gründungsversammlung zur Gründung eines

Musikvereins in Bieringen abzuhalten. Das Datum dieser Versammlung wird mir 8 Tage im Voraus mitgeteilt. Nach der Gründungsversammlung

wird mir der Vorsitzende so schnell wie möglich die

Fragebögen des Vorsitzenden und der Vorstandsmitglieder in zweifacher Ausfertigung sowie das Protokoll (zweisprachig und in zweifacher Ausfertigung) zukommen lassen. 

 

Von der Antragstellung über die Neugründungsversammlung bis zur endgültigen Anerkennung des Vereins und dem Beitritt zum Volksmusikverband Württemberg-Hohenzollern vergingen mehrere Monate. Doch am 10. Mai 1949, ein Jahr vor dem 25-jährigen Jubiläum, war das Ziel endlich erreicht – der Musikverein Bieringen war wieder offiziell gegründet.